Thz event joyce

Show

New Kyd

Joy(ce)

Im Jahr 2006 wurde die Leiche von Joyce Carol Vincent fast drei Jahre nach ihrem Tod in ihrer Londoner Wohnung gefunden, ihr Fernseher flimmerte noch immer. New Kyds Solo Joy(ce) versucht, diese Abwesenheit zu tanzen: zu verfolgen, was es bedeutet, sichtbar zu verschwinden.

Das Stück entfaltet sich als eine Fuge aus Soli, die sich zwischen Bruch und Ritual, meditativen Bewegungen und Stille, Trauer und Anrufung bewegen. New Kyd kanalisiert Musen über Zeit und Stil hinweg – Isadora Duncans Hingabe, Grahams Rituale der Traurigkeit, Wigmans Launenhaftigkeit, Billie Holidays Verletzlichkeit. Joy(ce) reflektiert die Architekturen der Sichtbarkeit und Auslöschung rund um Weiblichkeit aus einer hauntologischen* Perspektive.

Joy(ce) ist eine choreografische Séance, die Joyce als widerständige, geisterhafte Symbolfigur des spektralen Widerstands** präsentiert. Eine Meditation über Einsamkeit, Erinnerung und die schimmernden Echos von Menschen wie Joyce Carol Vincent, die unbemerkt entschwinden. Aber durch Erinnerungen wiederbelebt werden.

Publikumsgespräch
Im Anschluss an die Veranstaltung vom 20. November findet ein Publikumsgespräch mit New Kyd statt.

*Hauntologie: Eine Theorie, in der die Gegenwart von «verlorenen Zukünften» der Vergangenheit heimgesucht wird.
** Spektraler Widerstand: Geisterhafte Gestalten als Metapher für den Widerstand gegen die Macht.

Choreografie, Performance New Kyd
Musik Marquis’ McGee
Produktion, Dramaturgie Fredi Thiele
Produktionsleitung Kelly Tuke
Technische Leitung, Szenografie Noe Wetter
Sounddesign Santiago Latorre
Fotos Liah Sinq
Videodokumentation Tuskqo Sobrinho

Koproduktion Tanzhaus Zürich
Dramaturgische Beratung Tanzhaus Zürich Jessica Huber
Kritische:r Freund:in Tanzhaus Zürich Kapi Kapinga Grab

Unterstützt durch Stadt Zürich Kultur, Ernst Göhner Stiftung

New Kyd

New Kyd ist  Bewegungskünstler:in, DJ und Klangkünstler:in mit Sitz in Zürich. Geboren in Grossbritannien als Kind nigerianischer Eltern, hat sich Kyds Praxis an der Schnittstelle von diasporischer Identität, Ritual und experimenteller Tanzperformancekunst entwickelt. Kyd hat einen BA in Tanz von der University of Roehampton und untersucht/praktiziert Tanz durch eine historische (soziale) Linse und somatische Bewegungspraktiken.

Kyds künstlerische Praxis verbindet Bewegung, Klang und abstraktes Geschichtenerzählen aus einer hauntologischen Perspektive. Ihre Praxis ist in modernen, postmodernen und somatisch geprägten Formen verwurzelt. Die Arbeit speist sich aus der Erforschung der Yoruba-Kosmologie durch zeitgenössische Musen, ritualisierte Performances und postmodernes tänzerisches Denken. Kyd betrachtet Performance als Ort der Übertragung. Durch Wiederholung, klangliche Experimente und verkörperte Forschung werden Rituale, Erinnerung und Widerstand/Beharrlichkeit im Kontext zeitgenössischer Performances erforscht.

Kyd untersucht Themen wie urbane Isolation, Unsichtbarkeit, Opulenz, Begehrtheit und spektralen Widerstand im zeitgenössischen Stadtleben. Sie findet Geschichten, Stimmen und Musen, die aus der Tanzgeschichte, übernatürlichen Erzählungen, der Populärkultur und rituellen Praktiken stammen, um eine fragmentierte und doch intime choreografische und klangliche Landschaft zu schaffen. Ihre Arbeit befindet sich an der Schnittstelle zwischen postmodernem Tanz, Ritual und diasporischer Verkörperung. Kyd konfrontiert westliche Narrative von Unabhängigkeit und Sichtbarkeit und thematisiert Tanz als strukturelle und politische Bedingung.

Ensemble des Schauspielhauses Zürich (2018–2020), Trajal Harrells, Tanzensemble Zürich (seit 2019) und seit 2020 assoziierte Künstler:in am Tanzhaus Zürich. Zu ihren Kollaborationen zählen Künstler:innen wie Ligia Lewis, Wu Tsang, Paul Maheke, Jeremy Nedd, Akram Khan, Kandis Williams und Tiran Willemse. Kyd hat an Institutionen wie dem Tanzhaus Zürich, der Gessnerallee, der Berghain Halle (Berlin), Movement Research in der Judson Church (NYC), dem Cabaret Voltaire (ZH) und dem Museum Rietberg (ZH) präsentiert.

Daten / Reservation